Frankfurt/Main: Roma nach Räumung der Firmen-Brache obdachlos

Darmstadt, 26.06.2018

Am 28. Mai wurden die auf der Ferro Firmen-Brache in Frankfurt am Main lebenden Roma mit Polizeiaufgebot des Platzes verwiesen. Diesen droht ein Strafverfahren wegen Besetzung der ungenutzten Fläche. Nachdem die BewohnerInnen der Brache für kurze Zeit in der Notunterkunft im Ostpark untergekommen sind, ist ein Großteil von ihnen seit dem 11. Juni wieder obdachlos – unter ihnen eine schwangere Frau und ein 17 jähriger Junge. Der Förderverein Roma e.V., der die Familien unterstützt, veröffentlichte hierzu am 14. Juni und 28. Mai Pressemitteilungen.

Dieser Zustand ist untragbar“, so Adam Strauß, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma Landesverband Hessen. „Angehörige der Minderheit werden auf dem Wohnungsmarkt massiv benachteiligt und diskriminiert. Gleichzeitig sind sie im öffentlichen Raum immer wieder körperlichen und verbalen Übergriffen ausgesetzt.“ Ein Beispiel von vielen sind zwei Brandanschläge auf Obdachlose im Jahr 2016 in Frankfurt, deren Opfer vermutlich ebenfalls Roma waren. „Hier ist die Stadt in der Pflicht ihre BewohnerInnen zu schützen.“, so Adam Strauß weiter. „Angehörige der Minderheit werden seit Jahrhunderten in Deutschland und Europa vertrieben und verfolgt. Dieser teilweise auch heute weiter praktizierten Politik muss ein Zeichen entgegen gesetzt werden“, betont Strauß.

Bezahlbarer Wohnraum wird in Frankfurt seit Jahren weniger, Mieten steigen und immer mehr Menschen werden an den Rand der Stadt gedrängt. Dass es nicht möglich war, zeitnah für die betroffenen Familien eine Unterkunft über das Sozialamt zu finden, ist kein Zufall.

Der knappe Sozialraum geht insbesondere zu Lasten von diskriminierten Personen und Armen. Roma, welche in ihren Herkunftsländern struktureller Diskriminierung, Verfolgung und körperlichen Angriffen bis hin zu Pogromen wie zuletzt in der Ukraine ausgesetzt sind (siehe Presseerklärungen Zentralrat Deutscher Sinti und Roma vom 26. und 13. Juni dieses Jahres), werden auch in Deutschland an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Der Landesverband appelliert an die Stadt und den Oberbürgermeister Peter Feldmann, seine Ankündigungen ernst zu nehmen und in Frankfurt bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und den Betroffenen zur Verfügung zu stellen.