Hessen stärkt den Minderheitenschutz

Zum Staatsvertrag zwischen dem Land Hessen und dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma

Pressemitteilung

Wiesbaden und Darmstadt, 22.11.2017

Bild: Hessische Staatskanzlei

Am heutigen Mittwoch hat der Hessische Landtag erstmals einen Staatsvertrag mit dem Landesverband beschlossen. Hessen folgt damit als drittes Bundesland auf Schleswig-Holstein, wo die nationale Minderheit Deutscher Sinti und Roma seit 2012 Verfassungsrang besitzt, und auf Baden-Württemberg, dessen Landtag 2013 einen Staatsvertrag mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg abgeschlossen hat.

Der Staatsvertrag beinhaltet auch die Einrichtung eines gemeinsamen Gremiums zwischen Landesregierung und Verband, dessen Aufgaben die regelmäßige Evaluierung der Umsetzung der Ziele des Staatsvertrags und der Austausch über aktuelle Fragestellungen der Minderheit und der Mehrheit sind.

„Wir bedanken uns beim Land Hessen, dass es heute zur Unterzeichnung des Staatsvertrages kommt, für den wir lange Zeit gekämpft haben. Er bedeutet für uns eine Sicherheit, dass wir unsere wichtige Arbeit uneingeschränkt fortführen können, gerade in der heutigen Zeit, in der der Rechtspopulismus in unserem Land wieder an Zulauf gewonnen hat”, erklärte Adam Strauß, Vorsitzender des Landesverbandes, bereits am 6. September anlässlich der Vertragsunterzeichnung in Wiesbaden.

Kulturabende im Herbst 2017

Kulturabende des Verbands im Herbst 2017
Lesung – Konzert – Diskussion – Ausstellung

Der Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Hessen hat im Herbst 2017 Kulturabende in vier Hessischen Städten veranstaltet, um über die Verfolgungsgescichte und den Antiziganismus aufzuklären.

Das Programm bestand aus einer Lesung von Zeitzeugenberichten der NS-Verfolgung, einer Führung durch die mobile Ausstellung des Verbandes Der Weg der Sinti und Roma und einem Konzert des Romeo Franz & Ensemble Trios, Romeo und Sunny Franz (Violine) sowie Aaron Weiss (Piano).

Eindrücke von den Kulturabenden:

Kulturabend in Darmstadt
am Donnerstag 23. November 2017

Das Darmstädter Echo berichtete

Kulturabend in Marburg
am Mittwoch 1. November 2017

Das Marburger. berichtete

Kulturabend in Limburg
am Mittwoch 4. Oktober 2017

Kulturabend in Wächtersbach
am Mittwoch 27. September 2017

Schulenwettbewerb in Gießen

Am 3. November wurde die mobile Ausstellung Der Weg der Sinti und Roma im Rathaus in Gießen eröffnet. Sie war dort bis zum 17. November im Rahmen eines Wettbewerbs Gießener Schulklassen zu sehen, die sich derzeit mit der Deportation der Gießener Sinti nach Auschwitz im Jahre 1943 im Unterricht befassen. Anlässlich des Gedenktags am 16. März 2018, an dem sich die Deportation zum 75. Mal jährt, werden auch ausgewählte Arbeiten von Schülerinnen und Schülern präsentiert werden.

Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz begrüßte die Anwesenden, Rinaldo Strauß hielt ein Grußwort für den Landesverband und führte durch die Ausstellung.

Der Gießener Anzeiger berichtete

Demokratiekonferenz in Dietzenbach

Am 23. Oktober fand im Rathaus Dietzenbach eine Demokratiekonferenz zum Thema Antiziganismus statt. Organisiert wurde die Demokratiekonferenz von der Partnerschaft für Demokratie der Kreisstadt Dietzenbach gemeinsam mit dem Landesverband. Für die Kreisstadt begrüßte der Erste Stadtrat Dr. Dieter Lang die Anwesenden, vom Landesverband Rinaldo Strauß.

Der Verband zeigte den Film „Die Akte Strauß“ über verzögerte und verweigerte Entschädigungen für NS-Überlebende aus der Minderheit in der Nachkriegszeit. Der Bürgerrechtler Romeo Franz, Geschäftsführer der Hildegard-Lagrenne-Stiftung, hielt einen Vortrag über Antiziganismus. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Landesverbandes Malte Clausen und Nico Bobka führten durch die mobile Ausstellung „Der Weg der Sinti und Roma“.